Prim. Dr. Mathias Scheyer

Hämorrhoiden

Wahrscheinlich hat jeder zweite Mensch Hämorrhoiden oder die Anlage dazu, welche zu bekommen. Trotzdem gibt es immer noch Hemmungen darüber zu sprechen. Das sollte in unserer aufgeklärten Zeit der Vergangenheit angehören. Gehen Sie beispielhaft voran: Motivieren Sie Ihre Familienangehörigen und Kollegen. Fragen Sie ruhig auch zweimal, was Sie noch nicht klar wissen. Klären Sie andere darüber auf, welche Ernährung richtig ist.

Was sind eigentlich Hämorrhoiden?

Was sind eigentlich Hämorrhoiden?

Bei jedem Menschen finden sich im Enddarmbereich Gewebepolster, die reich an Blutgefäßen sind. Diese Gewebepolster sind für den Feinverschluss des Afters verantwortlich, d.h. sie unterstützen den Afterschließmuskel beim luft- und flüssigkeitsdichtem Verschluss. Diese Gewebepolster nennt man Hämorrhoiden, sie sind also natürlich und wichtig. Erst durch Bindegewebsveränderungen und einem Blutstau kommt es zum übermäßigem Anschwellen dieser Polster, die dann heraustreten oder bluten. Erst dann spricht man von einer Krankheit oder vom Hämorrhoidalleiden. Weitere Symptome, die auf dieses Leiden hinweisen sind Juckreiz, Nässen oder Hautausschlag im Afterbereich.

Wie kommt es zu Hämorrhoiden?

Wie kommt es zu Hämorrhoiden?

Oft besteht eine erblich bedingt Bindegewebsschwäche . Wesentliche Ursache ist ohne Zweifel unsere Gewohnheit, sich zunehmend ballaststoffarm zu ernähren. Der Enddarm wird nur noch von kleinen Stuhlmengen gefüllt, die Darmwand wird wenig gedehnt und gleichzeitig verstärkt sich die Neigung, stark zu pressen,. Beides führt zu Druck auf die Blutgefäße im Darm und dadurch zur Stauung. Weitere Faktoren sind eine sitzende Tätigkeit. Schwangerschaft, Übergewicht wie aber auch spezielle Sportarten (langes Fahrradfahren, Reiten, Gewichtheben). Da Abführmittel den Stuhlreflex „verwöhnen“, tragen auch sie zur Hämorrhoidenausprägung bei. Zusammengefasst handelt es sich also vorwiegend um eine Zivilisationserkrankung.

International hat man sich auf eine Stadieneinteilung der Hämorrhoidalerkrankung geeinigt:

  • Stadium 1: Hämorrhoidenpolster ohne Hervortreten von Knoten mit Blutung
  • Stadium 2: Spontanreposition der hervortretenden Knoten
  • Stadium 3: manuelle Reposition der hervortretenden Knoten
  • Stadium 4:
    a) Knoten mit akuter Einklemmung und Thrombose
    b) fixierter, fibrosierter Knoten

Was können wir gegen Hämorrhoiden tun?

Was können wir gegen Hämorrhoiden tun?

Zunächst wird eine Untersuchung veranlassen um andere Erkrankungen, insbesondere auch den Darmkrebs auszuschließen. Weiterhin können die Symptome durch entzündungshemmende Salben und Zäpfchen, durch Medikamente (Daflon) oder Sitzbäderzusätze( Kamille, Eichenrinde) gelindert werden.

Zur definitiven Behandlung stehenfolgende Möglichkeiten zur Verfügung:

Die sanfte Methode H.A.L. (Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur)

Bei der HAL, die im LKH Bludenz weiterentwickelt und europaweit zuerst durchgeführt wurde, wird mittels eines speziellen Ultraschallgerätes die Blutgefäße zu den Hämorrhoiden geortet und können dann unterbrochen werden. Dies erfolgt in einer schmerzunempfindlichen Region des Analkanals. Dieser Eingriff kann sogar ambulant und ohne Narkose durchgeführt werden und die Erfolgsrate ist enorm hoch ( 95%) . Am nächsten Tag sind sie meist wieder arbeitsfähig.

R.A.R. (Rectal-Anal-Repair).

Bei der RAR wird zunächst die Hämorrhoidenarterie verschlossen(HAL) und damit die Blutungsneigung beim Hämorrhoidalleiden reduziert.

Bei gleichzeitig vorhandenem Vorfall von Knoten, dem sogenannten Prolaps, wird mit einer Nahttechnik (fortlaufende Naht ) das vorfallende Gewebe gerafft und damit das Gewebe wiederum an den anatomisch gerechten Ort rückverlagert – quasi plastisch chirurgisch der normale Zustand wieder hergestellt.

Die konventionelle chirurgische Hämorrhoidektomie nach Milligan/ Morgan

oder modifiziert durch Parks, eine Kombination aus Ligatur der zuführenden Gefäße und der eigentlichen Hämorrhoidenresektion, stellt bis heute die effektivste aber invasivere Therapieoption bei den Hämorrhoiden dar. Jedoch ist diese Methode mit einem kurzen stationären Behandlung und nicht selten mit postoperativen Schmerzen verbunden.

Bleibender Erfolg

Jegliche Behandlung führt jedoch nur dann zu bleibendem Erfolg, wenn alles vermieden wird, was zur Entstehung neuer Hämorrhoiden führt.

Was kann man selbst gegen Hämorrhoiden tun?

Was kann man selbst gegen Hämorrhoiden tun?

Sie sollten:

sich viel bewegen, wandern; schwimmen; ggf. Gewicht reduzieren; keine Abführmittel einnehmen.

Essen Sie ballaststoffreich; Vollkornbrot; Müsli; Gemüse; Obst mit Schale (Birnen; Feigen; Rhabarber; Zwiebeln; Orangen; Sauerkraut) harte Eier; Milch; Kaffee.

Sofern Sie Ihre Ernährung nicht ausreichend darauf einrichten können (z.B. Essen in Kantine), so sollten Sie sich gezielt Ballaststoffe zuführen, wie z.B. Esslöffel der geschmacksneutralen Weizenkleie (allerdings ohne sogenannten „natürliche Abführmittel“) oder (etwa kalorienreicher), frisch geschroteten Leinsamen (Reformhaus, Apotheke), den Sie zuvor in Wasser quellen lassen und entweder pur oder zu anderen Speisen wie Joghurt, Frikadellen, Suppen, Quark, Müsli beigemischt zu sich nehmen. Auch Milchzucker ist ein gutes Hilfsmittel, er süßt wenig. 15-30 g = 60-120 Kalorien pro Tag (2-4 Teelöffel) regen die Darmbewegung kräftig an und fördern eine günstige Darmbakterienbesiedlung.

Zusätzlich zu den Ballaststoffen sollten Sie unbedingt darauf achten, reichlich Flüssigkeit (1/4 pro Esslöffel Ballast zusätzlich) zu trinken.

Beim Stuhlgang (nehmen Sie sich hierzu Zeit!) immer starkes Pressen vermeiden!

Vermeiden Sie:

Weißbrot; Kuchen; Kekse; Schokolade; Teigwaren; Reis; Kartoffeln; schwarzen Tee; Kakao; Rotwein; Äpfel und andere Früchte ohne Schale.

Was kann man gegen Verstopfung tun?

Was kann man gegen Verstopfung tun?

Was ist normal? Der natürliche Stuhlgangrhythmus ist von Mensch zu Mensch verschieden und reicht von 3 x/Tag bis zu 1x/alle 3 Tage. Auch kleine Verschiebungen können vorkommen.

Ein vorübergehendes Aussetzen des Stuhl für 2-4 Tage vielleicht ein Völlegefühl und Missempfindungen oft nach Absetzen der Abführmittel muss in Kauf genommen werden. Ernähren Sie sich ballaststoffreich, wie oben beschrieben. Zusätzliche Maßnahmen, die Darmtätigkeit anzuregen: Morgens vor dem Frühstück: 1 Glas Fruchtsaft, ggf. mit 2- darin gelösten Teelöffeln Milchzucker oder 1 Glas gekühlten Sprudel mit Milchzucker, auch im Wechsel mit 1 Glas Buttermilch. Zum Frühstück schwarzen ungesüßten Kaffee, Grahm- oder Schrotbrot, frisches Obst nach belieben (außer Bananen) mit Schale. Möglichst Fußmarsch zur Arbeitsstelle einplanen, dabei langsam tief ein- und ausatmen. In hartnäckigen Fällen abends zusätzlich 1-2 Glas rohen Sauerkrautsaft trinken. Falls erste Stuhlportionen immer sehr hart, 15 Min. vor der Stuhlentleerung 1 Glycerinzäpfchen einführen.