Prim. Dr. Mathias Scheyer

Minimal Invasive Chirurgie

Minimal-invasive Chirurgie (MIC) bezeichnet als Oberbegriff operative Eingriffe mit kleinstem Trauma (mit kleinster Verletzung von Haut und Weichteilen).

Schon immer war es Ziel der operativen Behandlung, eine rasche Genesung mit geringen Beschwerden nach der Operation einzuleiten. Zu Beginn der 1990er Jahre etablierte sich die laparoskopische Chirurgie zunächst zur operativen Entfernung der Gallenblase, später auch zur Durchführung komplexerer Operationen im Bauchraum.

Kleinere Schnitte und kleinere Verletzungen der Weichteile beim Zugang führen meist zu geringeren Schmerzen nach der Operation und zumeist auch zu einer rascheren Erholung und Mobilisation. Auch die bei Hämorrhoiden eingesetzte OP ist ein minimal invasives Verfahren. Ein erfahrener Laparoskopeur wird die Aussage treffen, dass er eine bessere Übersicht hat und für die Operation weniger Zeit benötigt als bei der entsprechenden offenen Operation.

In den letzten Jahren haben sich minimal-invasive Operationstechniken fest etabliert und haben viele konventionelle Operationsverfahren (mit ausgedehnterem Schnitt) verdrängt, die über Jahrzehnte als „Goldstandard“ galten. Bisher wurden diese spezialisierten Operationen überwiegend stationär durchgeführt. Lediglich die Kniegelenksspiegelung erfolgte häufiger ambulant. Durch die geringeren postoperativen Schmerzen bei optimierter Technik werden diese Verfahren zunehmend ambulant erbracht.

Auch bieten laparoskopische oder thorakoskopische Operationsverfahren die Möglichkeit, bei unklarer Befundlage eine ausgedehntere Inspektion des Bauch- oder Brustraumes vorzunehmen, als es sonst bei einem konventionellen Zugang möglich wäre.

Insgesamt muss die Wahl des Operationsverfahrens (minimal-invasiv oder konventionell bzw. offen) immer individuell getroffen werden.

Vorteile

Durch diese Techniken, kleinste Zugangsschnitte (z.T. nur mehr Stichkanäle oder Kleinstschnitte) und durch minimales Gewebstrauma infolge von großteils atraumatischen Spezialinstrumenten (kleinste Greifinstrumente und Scherchen) reduzierte sich die Belastung für den Patienten dramatisch. Die unmittelbar für den Patienten wahrnehmbaren Unterschiede waren ebenso eindrucksvoll erfahrbar, wie auch für das Fachpersonal erkennbar: im Vergleich zu den „alten Standardtechniken“ erheblich geringere Schmerzen z.T. auch fehlendes Schmerzbefinden, rascheste Erholungsphasen und kürzere stationäre Aufenthalte.

Nachteile

Die Nachteile liegen auch heute noch – je nach Erfahrung des Operateurs – in zum Teil deutlich längeren Eingriffzeiten und dem signifikant höheren instrumentellen und auch personellen Aufwand. Auch hier kommt das Argument der Erfahrung und geforderte Kenntnis aller Standardtechniken zum Tragen, da bei Schwierigkeiten im Rahmen von MIC Operationen immer auf die konventionellen, bzw. althergebrachten Standardtechniken umgestiegen werden muss. Dennoch überwiegen die Vorteile bei fast allen Operationen.

Aktuelle Probleme

Wie erwähnt bedarf jede dieser Operationen einer breiten Expertise, nicht allein in den „modernen“ Techniken, sondern auch Erfahrung in den konventionellen Methoden. Dies tritt heute oft in Konflikt mit jungen Chirurgen, die zwar rasch in den minimal invasiven Operationen Fuß fassen, jedoch die Breite der Erfahrung mit Schwierigkeiten oder Komplikationen im Rahmen minimal invasiver Methoden und den immer wieder notwendigen Umstieg auf konventionelle Techniken nicht in ausreichender Frequenz und Tiefe erlernen.